Sonnenverwöhnte Trauminsel im türkisblauen Meer

Bei Sonnenaufgang starten wir den Motor und gehen Anker auf, laden schnell noch die Batterien für eine dreiviertel Stunde um dann sieben Stunden im halben Wind nach Mallorca zu segeln. Unser Kurs ändert sich, aufgrund der ändernten Windverhältnisse von Port Andraitx, auf Port de Sóller und wird letztendlich San Telmo. Spanischen Geschichtsschreibern zufolge, gingen hier in der Bucht von San Telmo die Piraten an Land, um auf Schleichwegen ungesehen Andraitx überfallen zu können.

Bei der Einfahrt in die Ankerbucht, wo einige Schiffe an Bojen liegen, werden wir auf den Ankerplatz im Norden der Bucht verwiesen. Mit einem zweiten Segler teilen wir uns diese ausladende Bucht für eine Nacht.

Da wir Port de Soller bei unseren früheren Segelreisen noch nicht besucht haben, der Wind für nächsten Tag günstig angesagt ist, steht unser nächster Hafen auch schon fest. Der Weg dorthin ist atemberaubend schön.

Der Naturhafen Port de Sóller liegt eingebettet im Felsmassiv der mallorquinischen Westküste und ist der einzig sichere Hafen zwischen Cabo Formentor und Port de Andraitx. In diversen Foren und Küstenhandbüchern lesen wir, dass man das Ankern vor dem Hafen schon seit einigen Jahren verbieten möchte. Jedoch stellen wir beim Einfahren zu unserer Freude fest, dass wir hier nicht allein vor Anker liegen werden.

Am Nachmittag geht es mit der nostalgischen Straßenbahn in den Ort Sóller. Es gibt auch noch eine Zugverbindung „roter Pfeil“ genannt, welche Sóller und Palma verbindet. Wir überlegen, ob dies nicht eine Option für uns wäre? Doch mein Captain ist bei der Morgentoilette in San Telmo bei einen Sprung ins Wasser mit der großen Zehe in der Badeleiter hängengeblieben und hat sich sein operiertes Knie verletzt. Die nächsten Tage ist Schonung angesagt.

Auf unserer Fahrt nach Sóller sehen wir Orangen und Zitronen wohin unser Blick reicht. „Eierhintern“ oder „kleines Blatt“, so heißen die Orangensorten hier. Jahrzehntelang ließen die Bauern ihre Ernte verfaulen. Jetzt entdecken die Mallorquiner die alten Sorten wieder – und damit auch ein Stück ihrer Identität. Und das beste daran ist, dass sie köstliches Eis daraus produzieren.

Nach zwei Tagen in Port de Sóller hält uns nichts mehr, wir gehen vormittags Anker auf um vor dem Wind nach Port Andraitx zu segeln. Doch die Windprognose hält nicht das was sie verspricht und so wird es eine fünfstündige Motorpartie. Na ja immerhin werden die Batterien wieder voll geladen. Zwischendurch ziehen auch Gewitter an uns vorbei und um 15:00 fällt der Anker in der Cala Fornells. Port Andraitx unser ursprünglicher Favorit, lassen wir Backbord liegen, die wollen keine Ankerlieger, alles voll mit Bojen. Nach einer kalten Jause ist nun ruhen angesagt.

Geweckt von einem nicht zu kleinem Ausflugsschiff, welches neben uns an einer Boje festmacht, wissen wir, hier können wir die Nacht nicht verbringen. Also Motor an und Anker auf, geht aber nicht, da er sich in einer richtig fetten Bojenkette eingehakt hat. Der Captain ist alles andere als amused, holt die Bojenkette bis auf 4 Meter Wassertiefe mit der Winsch rauf , taucht ab mit einem Seil, mit der wir dann die Bojenkette an unserem Schiff fixieren. Nun können wir den Anker fallen lassen und sind frei. Am Motorboot nebenan wird kräftig applautiert. Leider gibt es in solchen Situationen keine Zeit, dies auch noch in Bildern festzuhalten.

In der großen Bucht vor dem Hafen in Santa Ponca, 2,4 sm weiter finden wir dann einen passenden Ankerplatz wo wir beim Sonnenuntergang, die Aufregungen revuepassieren lassen und mit der Sonntagsrunde in Kottingbrunnn telefonieren.

Sonnenuntergang in Santa Ponca

Nach 12 Tagen ankern, leeren Wassertanks und Batterien wird es wieder mal Zeit für eine Marina. Wir fragen in der La Lonja an und reservieren vorab. Vorher legen wir aber noch einen Zwischenstop in der Isla las Illetas ein. Der Besuch im „The Anchorage“ auf einen Sangria ist Pflicht und am Abend bruzeln zwei Entrecotes, je drei Minuten pro Seite, am Grill. Morgen ist Hafenleben angesagt.

Am 02. August 2022 befestigen wir unsere Achterleinen in der Marina La Lonja, welche mit € 97.97,- zu den günstigsten hier in Palma de Mallorca zählt. Sie liegt sehr zentral und wir können von unserer Pantry aus, sogar die Kathedrale sehen.

Gleich nach dem Festmachen ist Shopping angesagt. Wir benötigen ein neues Hecklicht, welches wir beim Bergen des Dinghis versenkt haben. Doch wir werden erst am nächsten Tag fündig. Es ist zwar ein etwas längerer Fußmarsch (ca. 30 Minuten) jedoch kostet die neue Lampe anstatt € 100,- nur € 25,- und den Deckel für den Außenborder gibts auch noch um € 20 dazu.

Für alle Segler, die in Palma liegen und einen günstigen Shop suchen, hier die Adresse: Mercanautic – Outlet – Segona máAvinguda de Joan Miró 170, 07015 Palma.

Abends finden wir versteckte Plätze, abseits vom Rummel. Einer davon sei hier genannt, in dessen Mitte steht ein uralter, geschützter Olivenbaum: Placa de Cort.

Wassertanks sind gefüllt, Batterien geladen, Wäsche gewaschen – es hält uns nichts mehr hier. In den Buchten ist es auch von den Temperaturen besser, da immer ein laues Lüftchen weht.

Zu Mittag verlassen wir die Marina, vorher wird in der Markthalle noch Käse und frisches Brot gekauft. Beim Auslaufen aus dem Hafen sehen wir unendlich viele dunkle Segel von der Regatte Copa del Rey, welche von 01.08.- 06.08.2022 in Palma stattfindet. Auch der spanische König nimmt jedes Jahr daran teil. Das Polizeiaufgebot ist in diesen Tagen enorm.

Wir könnten zwar segeln, fahren aber mit Motor mitten durch die beiden Teilnehmerfelder, damit es keine Probleme mit Vorrangregeln gibt. Beim Umrunden der ersten Boje sind wir ganz nah und können ein paar tolle Fotos schießen.

Mit 6-10 Knoten am Wind und vollen Segeln erreichen wir am späten Nachmittag Platja es Trenc. Man hat das Gefühl , man ankert in einem riesigen Swimmingpool mit glasklarem Wasser in karibischen Farben von türkis bis hellblau. Und als Draufgabe ist uns noch einen kitschiger Sonnenuntergang beschert.

Weiter geht es entlang der Südostküste, doch mit den Ankerliegeplätzen, wird es hier immer schwieriger. Die Mallorquiner schützen in vielen Ankerbuchten und Häfen ihr Seegras. In San Pedro, wo wir in vorangegangenen Segelreisen gelegen sind, sind alle Bojen voll. In Portocolom haben wir Glück und liegen für € 30,- ruhig an einer Boje für die Nacht.

Wir beschließen noch eine Nacht hier zu bleiben, wechseln aber am Vormittag auf einen Ankerplatz auf Sand. Es wird hier streng kontrolliert, dass man ja nicht im Seegras ankert. Ist dies der Fall muss man den Platz verlassen. Morgen scheint der Wind günstig für die Überfahrt auf Menorca zu sein. Die Vorfreude ist groß, auf neue Abenteuer.


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