Nach zwei Stunden segeln bei 5-6 Bft, wird der Wind immer schwächer und mit unterstützender Motorkraft, fällt der Anker in türkisblaues Wasser auf Nisos Chersonisi in Petaloi-Xeros. Es handelt sich hier um eine kleine Insel in Privatbesitz, südwestlich von Euböa gelegen. Das Betreten ist verboten und so verbringen wir einen ruhigen Abend an Bord unserer Footloose, traumhafter Sonnenuntergang inklusive.


Am 15. Juni wurde das neue Vorsegel nach Lavrion versandt, mit einer Lieferzeit von einer Woche. Lavrion ist eine sehr windige Ecke, die Befürchtung, dass wir dann schlecht gegen Norden kommen, lässt uns unseren Routenplan ändern. Wir wollen die westliche Küste der Insel Euböa (nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenlands) rauf, um dann mit einem Mietauto das neue Segel abzuholen.

Entschluss gefasst, aber davor nehmen wir Kurs auf eine weitere Ankerbucht im Westen von Euböa. Einen geeigneten Fleck zum Ankern zu finden, ist schwierig. Die besten Plätze sind bereits vergeben, in der Mitte der Bucht liegt ein Wrack am Meeresboden und somit ist der Platz begrenzt. Wir erwischen jedoch einen Sandfleck in acht Meter Tiefe und verbringen zwei Tage in Port Boufalon. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Sea Side ist das einzige Restaurant, dass geöffnet hat. Der Zugang ist zwar etwas erschwert ;-), aber dass ist Griechenland. Wir lieben diese Einfachheit und bekommen auch alles, was unsere Herzen begehren.



Es ist Donnerstag der 22. Juni, wir gehen Anker auf in Boufalon und steuern Eritrea an. Das moderne Eretria, ein beliebter Urlaubsort für die Griechen, von Attika aus mit der Fähre oder über Chalkida mit dem Auto gut erreichbar. Es ist eine wichtige Station auf dem Weg in den Süden der Insel Euböa mit einer weitläufigen Strandpromenade. Eretria verfügt auch über eine große, geschützte Ankerbucht. Hier können wir Footloose beruhigt für ein paar Stunden alleine lassen, wenn wir aus Lavrion das neue Segel holen.
Nach 16,6 nautischen Meilen fällt der Anker. Bis jetzt hatten wir noch keine Probleme mit Mücken, doch hier dürften sie Zuhause sein. Vor allem am Abend wenn es windstill wird, fallen sie zu Tausenden ein. Mit Gelsenspiralen versuchen wir die Plagegeister zu vertreiben, haben aber nur bedingt Erfolg.


Über die TrackingApp des Paketdienstes, erhalten wir die Nachricht dass das Paket nicht zugestellt werden konnte und jetzt auf dem Weg nach Hörsching ist. Nach etlichen Telefonaten und EMails mit dem Hersteller Sailonet und Chronopost, wird es noch eine Woche dauern bis das Segel in Lavrion ankommt.
Hier wollen wir auf keinen Fall die restliche Zeit absitzen, um 14:45 geht es Anker auf und weiter nördlich, zur Brücke nach Chalkida. Exakt um 17:14 geht es unter der Euripus High Bridge, mit 36 Metern Höhe, durch. Nach dem Ankermanöver, fahren wir mit dem Dhingi an Land. An einem Sonntag hat das Hafenamt von 18:00 bis 22:00 geöffnet, wir bezahlen die Durchfahrtsgebühr von € 63,- (Sonntagszuschlag von € 25,-). 2016 haben wir keine € 20,- dafür bezahlt, hatten die Strömung mit uns und 11 Knoten geloggt.

Die Brücke öffnet täglich 1x (außer Samstag) bei Stillwasser. Die Dame im Office setzt uns darüber in Kenntnis, dass wir im besten Fall mit einer Öffnung der Brücke um 22:00 rechnen können.


Um kurz nach Mitternacht kommt der erlösende Funkspruck zum Anker auf. Um 00:30 passieren wir mit 2,5 Knoten unter Gegenstrom von 4 Knoten die Brücke von Chalkis.
Chalkis liegt etwa in der Mitte der ca. 130 sm langen Insel Euböa, an der Stelle an der die Meerenge mit nur 30 m am schmalsten ist. Bereits seit dem Altertum verbindet an diesem natürlichen Übergang eine Brücke die Insel mit dem Festland. Hauptgrund für diese Brücke schon zu so früher Zeit dürften die erheblichen Tidenströmungen sein, die die stärksten in ganz Griechenland sind. Dazu kommt, dass diese Tide keineswegs so regelmäßig ist, wie wir das z.B. von der Nordsee kennen, sondern schwer vorhersehbar bis zu zehn Mal am Tag wechselt. Der Sage nach soll sich der Philosoph Aristoteles aus Verzweiflung, weil er nicht hinter das Geheimnis der Strömungen kam, hier in die Fluten gestürzt und darin umgekommen sein. https://www.trans-ocean.org/Bericht-lesen/ArticleId/1689/Die-Br-uuml-cke-von-Chalkis-Chalkida-1
Eineinhalb Stunden später ankern wir vor dem Hafen in Nea Artaki. Am Morgen weckt uns unangenehmer Schwell, wir verlegen uns in die geschützte Bucht vor der Einfahrt, welche in der Nacht nicht angelaufen werden soll, wegen der geringen Tiefen. Nach dem Frühstück fragen wir bei Yannis im privaten Bootclub, um einen Liegeplatz für die nächsten Tage an.


Exakt eine Woche, nach versprochenem Liefertermin am Mittwoch den 28. Juni kommt der erlösende Anruf von Nikos, dass das Segel geliefert worden ist.
Mit einem Leihauto begeben wir uns auf die 125 km lange Autostrada nach Lavrion. Um 11:00 übergibt Nikos unsere heiß ersehnte Genua. Auf dem Rückweg schauen wir bei einem Boatyard vorbei, eventuell wird Footloose dort über den Winter einen Liegeplatz finden.


Bevor das Auto seinem Besitzer zurück gebracht wird, erledigen wir noch schnell einen Großeinkauf beim Lidl und auch die Reservekanister werden mit Diesel befüllt.
Zurück an Bord wird die neue Genua gesetzt, sie passt (schwitz ;-). Jetzt muss sie nur noch getestet werden. Am Freitag den 29. Juni verlassen wir Nea Artaki, Kurs Norden.
Nach vier Motor Stunden und einem am Wind Kurs ist es soweit, Großsegel und Genua werden gesetzt. Bei 7 Knoten Wind loggen wir 3,8 Knoten – es läuft :-). Der Wind kommt immer mehr von Achtern und so wechseln wir das Tuch um unsere Fahrt mit dem Parasailor fortzusetzen.


Der letzte Stop auf Euböa ist ein Ankerplatz vor den heißen Schwefelquellen in Loutra Edipsos. Was für eine Kulisse :-). Am Abend schaukelt Footloose ziemlich, der Schwell wird im Laufe der Nacht weniger und am Morgen ist das Meer spiegelglatt.
Bevor wir Anker auf gehen, wird noch, für ein paar Schnapsschüsse, zum Felsen geschnorchelt.


Um den Weg in den pagasitischen Golf (Golf von Volos) abzukürzen, planen wir noch einen Stop am Festland. Aufgrund der rasch abfallenden Tiefen, ist der Platz zum Ankern in Ormos Vathikoilou begrenzt. Wir finden ein Plätzchen für unseren Anker auf sieben Meter in Schlamm. Am Abend bringen wir den Bordmüll, schwimmend, zu den Müllcontainern an Land.


Wir verbringen eine atemberaubend stille (fast) Vollmondnacht. Am darauffolgenden Morgen wird die Stille nur unterbrochen durch das Zirpen der Zikaden und den Stimmen der Fischer. Sie haben sich zum morgendlichen Fischfang am Steg versammelt.


Mit Wehmut verlassen wir diese Oase der Ruhe, um zu neuen Ufern aufzubrechen.