Neuland

Chalkidiki ist eine Halbinsel in der Ägäis, die zu der Region Makedonien gehört. Die drei Landzungen, strecken sich wie Finger in das türkise Blau der Ägäis hinein und bieten so zahlreiche lagunenartige Buchten – perfekt zum Ankern. In der antiken griechischen Mythologie wird Chalkidiki auch oft als „Poseidons Dreizack“ bezeichnet.

Im Sommer fluten Touristenströme, vorwiegend aus Rumänien und Bulgarien, die Strände von Chalkidiki. Dies ist unter anderem auch ihrer geografischen Nähe geschuldet.

Den ersten Finger, Kassandra lassen wir Backbord liegen. Im Hochsommer herrscht auf Kassandra Hochbetrieb, denn hier urlauben die Griechen gerne selbst und die Jugend Thessalonikis frequentiert die Bars und Clubs. Thessaloniki ist nämlich nur 50 Kilometer entfernt und daher auch ein beliebtes Reiseziel.

Nach einem wunderschönen Segeltag unter Spinnaker, kommt der zweite Finger Chalkidikis, Sithonia, immer näher. Wieder einmal werden wir von einer Gruppe Delphine empfangen. Oh, welch Freude, diese wunderschönen Tiere aus der Nähe zu sehen.

In Griechenland heißt es, die Landzungen von Chalkidiki seien wie das Leben selbst: Auf dem ersten Finger feiert man und verliebt sich, auf dem zweiten wird geheiratet und die Kinder werden großgezogen, und der dritte ist für die Ewigkeit danach bestimmt.

Der Luftdruck fällt von 1008 hPa auf 997 hPa und wir erwarten für die nächsten beiden Tage, Windstärken bis 6 Bft.

Die Wahl fällt auf Porto Koufo, dem größten Naturhafen Griechenlands. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten deutsche U-Boote, diesen Hafen unter anderem wegen seiner geografischen Lage und dem direkten Zugang zur Ägäis.

Der Wind soll hauptsächlich aus WNW kommen, der Anker fällt daher im nördlichen Teil der großen Bucht. Das Wasser ist für einen Hafen sehr sauber, beim Ankerschnorcheln vergewissern wir uns ob der Anker auch gut eingegraben ist. Bei unserer Ankunft ist das Ankerfeld noch überschaubar, dies wird sich aber im Laufe des folgenden Tages ändern.

Der Wind bringt endlich wieder kühle Luft und beendet die Hitzewelle. Beständiges Wetter und moderate Winde, lassen uns am Freitag den 28. Juli, Anker auf gehen.

An der Mole in Skala Sykia warten schon Ilona und Walter mit ihrem Schiff „Heaven Above“. Die beiden Niederösterreicher haben wir das erste Mal, vor einigen Jahren in Vathi, auf Meganisi getroffen und in Koufo gab es ein neuerliches Wiedersehen. Gemeinsam wollen wir den dritten Finger umrunden und die 50 Seemeilen nach Thasos zurücklegen.

Es gibt fast nichts Schöneres, als einen Sonnenaufgang auf dem Wasser zu erleben. Der Wechsel von der Dunkelheit zum ersten Sonnenlicht ist ein Naturspektakel, die wechselnden Lichtverhältnisse sind atemberaubend.

Wir starten in der Morgendämmerung, vor uns der mächtige Berg Athos. Der Horizont beginnt zu leuchten und wird immer heller. Das Rosarot vom Himmel spiegelt sich im Wasser und dann brechen die ersten Sonnenstrahlen durch. Sie tauchen die Landschaft in ein sanftes Licht.

Die Sonne steigt hinter dem Berg auf, ein Wahnsinnsgefühl, man kann sich nicht satt sehen. Auf der dritten Landzunge, Athos, befindet sich seit über eintausend Jahren eine halbautonome Mönchsrepublik rund um den heiligen Berg Athos. Aufenthalte sind Frauen grundsätzlich untersagt, Männer dürfen nach vorheriger Anmeldung nur drei Tage und drei Nächte auf Athos verweilen.

Nach 10 Stunden unter Motor fällt der Anker auf Nisos Thasos in der Bucht Pefkari ins türkisblaue Nass.

In Limenaria, der zweitgrößten Stadt auf Thasos liegen wir für drei Tage vor Buganker. Füllen unsere Wasservorräte und befreien Footloose vom Salzwasser.

Der Smaragd der Ägäis, so wird Thasos gern genannt. Auch wenn schwere Waldbrände in den letzten Jahren Narben hinterlassen haben, sind hier noch immer intakte und dichte Wälder zu finden, die teilweise bis hinunter an die Küste reichen. Das Landschaftsbild ist von ausgedehnten Olivenhainen, Pinienwäldern und uralten Platanen geprägt. Wir mieten ein Motorrad und überzeugen uns selbst.

In dem kleinen Städtchen Prinos, an der Westküste von Thassos gelegen, findet wöchentlich ein ganz authentischer Wochenmarkt statt, auf dem die Inselbewohner nicht nur frische Produkte 😉 aus der Region anbieten.

Weiter geht es ins Landesinnere, nach Kastro einem romantischem Bergdorf.

Das früher fast abgeschnittene und verlassenes Dorf, in rund 470 Metern über dem Meeresspiegel, erreichen wir über die Straße von Limenaria aus. In Kastro leben nur noch eine Handvoll Menschen. Zwei urige Tavernen, die Athanasios Kirche, alles scheint verlassen – außerhalb der Hochsaison verirrt sich hierher wohl niemand. Die meisten Häuser sind aus Stein und mit Platten bedeckt.

Theologos, ein malerisches altes Bergdorf im Landesinneren, ist unser nächstes Ziel. Es ist eines der bedeutendsten Dörfer auf der Insel Thassos und war bis ins letzte Jahrhundert die Hauptstadt der Insel. Es ist außerdem bekannt für seine Tavernen und für seine vielen Gerichte aus Ziegenfleisch. Uns konnten sie nicht so überzeugen, den Katzen hat es aber gemundet :-).

Thassos wird nicht ohne Grund als die grüne Insel bezeichnet. Ihre üppige Vegetation verdankt sie vielen Quellen in den Bergen, eine davon nennt sich Agias Vasilikis.

Die Lagune von Giola nahe Astris ist ein Ort mit Seltenheitswert, das wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Denn in diesem natürlichen Felsbecken, das in einem weggebrochenen Felsenabschnitt liegt und direkt an das tiefblaue Meer angrenzt, schimmert das Wasser in facettenreichen Blau- und Grüntönen. Es ist wahrhaftig einen Touristenattraktion, wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann.

Vor unserer Abfahrt möchten wir noch wissen, was es mit dem Schloß auf sich hat, welches über dem Hafen thront.

„Palati“ das Schloss, befindet sich über dem Ort Vathilimenari. Es wurde 1903-1905 von dem Großunternehmer F. Speidel gebaut und fungiertesowohl als sein privater Wohnsitz, als auch als Verwaltungsgebäudedes Bergwerks, das er leitete. Seine Einzigartigkeit basiert auf seinem besonderen Architekturstil, auf seinem Platz in der Natur und auf seinen der Natur angepassten Tönen: hellblau-grüne Fenster, wie die Farben des Meeres und die Belaubung des Kiefernwaldes, sowie ockergelbe Wände und rote Dachziegeln, wie die Farben der Felsen, die es umwallen.

Nach der Super-Mond Nacht am 01. August, haben wir genug vom lauten Hafenleben. Die Ruhe finden wir drei nautische Meilen weiter. Wir verweilen zwei Nächte, vor unserer Überfahrt nach Limnos.


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