Es kommt meistens anders als geplant

Ferragosto Höhepunkt 15.08.2025

Es naht Ferragosto – aus dem Hafen in Carloforte müssen wir raus, da sie ausgebucht sind. Wir legen uns knappe 4 Seemeilen weiter in die Cala di Guidi. Dort verbringen wir gemeinsam mit zahlreichen italienischen Booten, ein entspanntes Ferragosto. Einige bleiben mit uns auch über Nacht, hören etwas lauter Musik und feiern, aber wie schon erwähnt, sehr entspannt. Das Dingi kann abends zu Badeschluss, gut an Land liegen, man kann sich die Beine vertreten oder/ und die Pizzeria trattoria Guidi besuchen.

Da Südwind vorhergesagt wird, wechseln wir nach 2 Tagen die Insel. Über das Festland ziehen immer wieder heftige Gewitter an uns vorbei. Auf Isola di Sant` Antioco ankern wir vor dem kleinen Hafen in hartem Sand mit wenig Seegras. Der Anker gräbt sich nicht ein sondern schaufelt eine Menge Seegraswurzeln auf. Bei 2,5 m Tiefe geben wir 30 Kette, was vorerst auch genügen soll. Am Vormittag angekommen, verlassen wir jedoch vorerst einmal nicht unsere Amorosa.

Nächsten Morgen ist es ruhig und einem Landgang steht nichts im Wege, Dingi am Baum fixiert, kann es losgehen. Hier ist alles noch sehr ursprünglich, Kinder spielen auf der Straße, Pensionisten versammeln sich am Abend auf ein Plauscherl vor dem Rathaus und ein Anderer denkt über sein Leben nach, oder checkt er nur sein Mobiltelefon?

Am Dienstag in der Nacht kommt dann pünktlich um 21:30 der Südwind und bleibt bis 2:00 Uhr früh. Wir stellen den Ankeralarm am Handy und gehen etwas später ins Bett. Die übrige Nacht verläuft ruhig. In den Vormittagsstunden nehmen die Böen allerdings zu und der Anker slippt. Wir schaffen es gerade noch die Maschinen zu starten und vorwärts zu fahren, bevor wir mit Debbies Najad kollidieren. Ufffff, das war knapp, wir gehen sofort Anker auf und suchen uns einen geschützten Platz in der Bucht.

Den finden wir weiter südlich in Cussorgia. Wohin man blickt und sofern man es bei den Winden beurteilen kann, besteht der Ankergrund aus hohem Seegras. Wir haben aber Glück und werfen in ein Feld, welches nur mit kurzem Gras bedeckt ist. Nach vier Stunden haben wir den Starkwind abgewettert und wechseln wieder mal die Insel ;-).

Mit einem Segelboot unterwegs zu sein, heißt, sich immer nach Wind und Wetter zu richten. Spaggia Giunco unweit von Carlaforte verspricht uns für den Abend zwar nicht so wenig Wind aus Nordwest, aber im Sand hält unser Anker super gut und die Nacht sollte auch wieder ruhig werden.

Da wir von unserem Liegeplatz über den Winter in Carloforte noch nicht überzeugt sind und außerdem noch ein Paket abholbereit ist, vereinbaren wir mit Andrea am Donnerstag ein Treffen. Das Dingi dürfen wir beim Segelsportverein Carloforte an den Steg legen. Der Spaziergang in die Stadt dauert 15 Minuten, wir nutzen unseren Landgang auch gleich für einen größeren Einkauf.

Andrea kann uns nicht überzeugen, der Liegeplatz würde extrem dem Schwell der Fähren ausgesetzt sein, die jetzt halbstündlich in den Hafen einlaufen. Außerdem sind die Ringe an denen die Achterleinen festgemacht sind, alle rostig. Zurück auf der Amorosa, schreiben wir einige Marinas und Werften in der Umgebung an. Am Abend kommen Gambas auf den Grill.

Ein paar Tage haben wir noch und so setzen wir am Freitag Segel und Kurs nach Porto Pino. Nach 22 Seemeilen und 25 Knoten Wind ankern wir in Sand in der großen Bucht Porto Pino. Unterdessen haben wir ein Angebot von der Marina Teulada, 13 Seemeilen entfernt, erhalten – wir vereinbaren einen Termin.

Der Wind kann es ordentlich, am Abend wird es ruhiger, der Schwell ist, auf einem Katamaran jedenfalls, gut auszuhalten. Am Morgen läuft ein Schiff der Finanzpolizei ein. Uns ist aufgefallen, dass in Italien sehr viel kontrolliert wird, wir warten noch mit dem Ablegen.

Strömumg am Capo Teulada

Im raumen Wind segelt Amorosa mit der Genua und mit uns nach Teulada. Um das Kap Teulada nimmt die Strömung zu, danach ist der Wind sehr böig. Vor der Hafeneinfahrt suchen wir uns einen Platz, müssen aber nochmals Anker aufgehen, da sich unter unserer Kette Felsen befinden. Wir wollen nicht riskieren, dass sich die Kette darunter verheddert. Beim 2. Versuch und nach dem Ankerschnorcheln, passt es. Nach drei Stunden statten wir dem Office und der Bar (am Abend ein Restaurant) einen Besuch ab.

Wie fixieren den Liegeplatz und vereinbaren am Montag in die Marina zu kommen. Unsere Pläne haben sich geändert, wir fliegen am Dienstag und nicht erst am Sonntag zurück in die Heimat.

Am Sonntag kommt der Wind mittags nicht wie vorhergesagt aus Süden. Bruce ist zwar tief eingegraben aber der Schaft steht gerade in die Höhe und wenn der Wind zunimmt, droht er auszubrechen. Wir behalten es im Auge, bis er wieder aus NW kommt. Der Wind und auch die Wellen lassen nach, in der Zwischenzeit bekommen wir Besuch von Nicola, Nina und Georga. Sie kommen vom Strand zu uns geschwommen und fragen ob sie an Bord dürfen. Danach springen sie unzählige Male ins Wasser, hüpfen im Trampolin und schwimmen unter Amorosa durch. Eine lustige Abwechslung zum öden Strandleben.

Insgesamt haben wir in acht Wochen 1122 Seemeilen geloggt, liebgewonnene Freunde getroffen und neue dazugewonnen. Im Herbst kommen wir zurück um die angeblich schönsten Ankerplätze Sardiniens zu erkunden.

Ciao Sardegna 🙂

Die Leidenschaften des Menschen sind wie der Wind für die Segelschiffe. Sie können ihn zerstören, aber ohne sie kann er nicht vorwärtskommen.

(Voltaire)


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