9. Juli – Anreise mit Hindernissen
Der Urlaub begann, wie sich das für einen richtigen Segeltörn gehört: mit einer ordentlichen Portion Geduld. Unser Flug nach Olbia hatte gemütliche zwei Stunden Verspätung – offenbar wollte uns die Airline mental schon einmal auf das entspannte Inselleben einstimmen.
Nach der Landung wartete allerdings keine Strandbar, sondern ein zweistündiges Taxiabenteuer nach Arbatax. Punkt 19:30 Uhr standen wir – geschniegelt wie nach einem Reisetag eben möglich – in der Werft. Statt Aperol gab’s Pakete auspacken und die Backskiste ausschäumen. Romantik pur. Immerhin schafften wir alles noch bei Tageslicht.



Erst um 22:30 Uhr gönnten wir uns das längst überfällige Abendessen. Um Mitternacht fielen wir schließlich im H14 Guesthouse, unweit der Werft, ins Bett – vermutlich noch bevor der Kopf das Kissen richtig berührt hatte.
10. Juli – Amorosa geht baden
Der Krantermin war für 8:30 Uhr angesetzt. Italienische Zeitrechnung machte daraus 10:30 Uhr, und um 11:00 Uhr schwamm unsere Amorosa endlich wieder dort, wo sie hingehört.

Der Mechaniker drehte vorsichtshalber noch eine Ehrenrunde mit uns, um die Motoren zu testen. Das Ergebnis: Halleluja! Sie wurden nicht mehr heiß. Nach den Sorgen der letzten Zeit fühlte sich das fast wie ein technisches Wunder an.
Danach ging’s in die Marina Arbatax. Für schlanke 128 Euro durften wir anlegen – und anschließend vier Stunden lang das Schiff schrubben. Der Staub der Baustellen neben der Werft hatte sich auf unserem Boot verewigt. Am Ende glänzte die Amorosa wieder fast wie neu, wir dagegen eher weniger.
Samstag – Endlich unterwegs!
Früh am Morgen hieß es: Leinen los! Vorher wurde allerdings noch der Dieseltank randvoll gemacht – man weiß ja nie, wann der Wind Urlaub macht.
Mit herrlichem Vorwindkurs, 4 bis 5 Beaufort und knapp 60 Seemeilen unter dem Kiel zeigte Sardinien endlich seine schönste Seite. Am Abend fiel der Anker vor der Spiaggia di Lastra Ruia. Dazu ein Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch und der erste Sundowner an Bord.
Jetzt fühlte sich der Urlaub endlich wie Urlaub an.



Sonntag – Basteln statt Baden
Der Tag begann sportlich – allerdings nicht für uns, sondern für die Amorosa. Außenbeschattung montieren, Fenster beschatten und das Stand-up-Paddle aufblasen standen auf dem Programm. Bootseigner wissen eben: Es gibt immer etwas zu tun.
Danach verlegten wir unser schwimmendes Zuhause rund fünf Seemeilen nach San Paolo, wo am 13. Juli Besuch aus Österreich eintreffen sollte.
Gemeinsam mit unseren Freunden wurde der Großeinkauf erledigt. Zum Glück brachte uns der Supermarkt die Einkäufe direkt bis zum Dingi. 120 Liter Wasser vom Parkplatz zum Boot zu schleppen gehört nämlich nicht zu unseren Lieblingssportarten.
Bevor wir zurück an Bord gingen, landete auch noch unser Sonnensegel beim Segelmacher. Nach vielen Jahren treuer Dienste hatten sich die Nähte verabschiedet. Trotz Persenning. Irgendwann darf auch Stoff in Pension gehen.
Der Wind machte das Wasser ordentlich kabbelig. Also blieb das Badezeug trocken, während Michi uns stattdessen mit einer hervorragenden Pasta verwöhnte. Schlechter kann ein Hafentag wirklich nicht sein.



Montag – Segeln wie im Lehrbuch
Über Nacht hatte sich der Wind komplett verabschiedet. Doch kaum war der Vormittag angebrochen, meldete er sich mit neuer Energie zurück.
Perfekter Zeitpunkt für „Anker auf“! Mit traumhaftem Vorwindkurs segelten wir Richtung Porto Rotondo. Genau so stellt man sich Segeln im Mittelmeer vor: Sonne, Wind und das zufriedene Grinsen einer Crew, bei der einfach alles passt. Zum Dinner gab es keinen Tuna, dafür Pizza, fruchtigen Rotwein für die Männer und den einen oder anderten Aperol Sprizz für die Damen.



Mittwoch – Versteckspiel und Schrauberkunst
Vier Seemeilen weiter fanden wir in der Cala di Volpe ein ruhiges Plätzchen zum Ankern. Nicht nur, weil es dort wunderschön ist, sondern auch, weil unser Watermaker eine neue Membran bekommen sollte.
Der Plan klang simpel. Die Realität hatte offensichtlich andere Vorstellungen.
Was in der Anleitung vermutlich nach einer halben Stunde erledigt sein sollte, entwickelte sich zu einer kleinen Expedition in die Welt von Schläuchen, Dichtungen und Flüchen. Der Watermaker ließ sich nicht kampflos überreden.
Aber genau das macht das Leben an Bord aus: Jeden Tag gibt es ein neues Abenteuer – und manchmal ist der größte Gegner nicht Wind oder Welle, sondern ein Stück Technik mit eigenem Kopf.


Nach vielen Stunden scheint er nun endlich Süßwassser zu produzieren. Wir markieren uns an der Wasseranzeige (Tanks sind noch halb voll – ca. 250 Liter) den Stand und lassen ihn eine Stunde laufen. Danach sind aber auch die Wassertanks leer – irgendwas ist schiefgelaufen 😦
Nach dem Motto:“Aufgegeben wird ein Brief“ gibt es einen weiteren Versuch ;-), vorerst heißt es aber Tanks auffüllen.