Skylla und Charybdis

Durchfahrt Strasse von Messina am 2. August 2026

Vor der Durchfahrt durch die Straße von Messina ankern wir am Samstag um 15:00 Uhr in der Bucht von Scilla. Auf dem Sandgrund stecken wir zunächst 35 Meter Kette und legen uns anschließend für ein kurzes Schläfchen hin. Doch die Ruhe währt nicht lange: Die Küstenwache weckt uns und erklärt, dass wir mindestens 200 Meter Abstand zum Strand halten müssen. Also holen wir den Anker wieder auf und verlegen uns ein Stück weiter hinaus.

Dort fallen wir in zwölf Metern Wassertiefe erneut auf Sandgrund ein und stecken diesmal 40 Meter Kette. Die Bedingungen sehen gut aus – hier sollten wir ruhig durch die Nacht kommen.

Eigentlich möchten wir noch an Land gehen. Doch die Bucht ist voller Freizeitboote, schließlich ist Wochenende. Außerdem steht eine unangenehme Dünung in die Bucht. So beschließen wir, lieber an Bord zu bleiben. Stattdessen rufen wir zu Hause an. Die Familie hat sich gerade bei Michi versammelt, und über FaceTime können wir mit allen plaudern. Es tut richtig gut, vertraute Gesichter zu sehen und die Stimmen der Familie zu hören.

Danach verschwinde ich in der Kombüse und koche Spaghetti Bottharga. Anschließend gehen wir früh schlafen, denn am nächsten Morgen wollen wir bereits um 6:30 Uhr den Anker lichten. Unser Plan ist es, die Straße von Messina zu erreichen, solange die Strömung noch mit uns läuft.

Pünktlich um 6:30 Uhr springen am Sonntagmorgen die Motoren an und wir nehmen Kurs auf die berühmte Meerenge. Gleich vor Villa San Giovanni bekommen wir es mit kräftigem Gegenstrom zu tun. Zeitweise kommen wir nur mit eineinhalb Knoten voran. Gleichzeitig herrscht reger Fährverkehr zwischen Sizilien und dem italienischen Festland. Ständig kreuzen Fähren unseren Kurs, sodass wir aufmerksam navigieren und auch ausweichen müssen.

Um 8:20 Uhr frischt ein Nordwind mit etwa 3 Beaufort auf. Wir setzen die Genua, stellen die Motoren ab und genießen es, endlich wieder unter Segeln unterwegs zu sein. Rund zwei Stunden gleiten wir durch die Straße von Messina und schiften die Genua je nach Wind einmal nach Backbord und später wieder nach Steuerbord. Um 9:45 Uhr bergen wir die Genua, fahren in den Wind und setzen stattdessen das Großsegel. Auch dieses wird noch einmal geschiftet. Doch der Wind lässt immer weiter nach. Um 10:40 Uhr ist schließlich Schluss mit Segeln – wir starten die Motoren erneut.

Trotz des dichten Fährverkehrs und der wechselnden Strömung verläuft die Passage problemlos. Wenig später liegt die beeindruckende Straße von Messina hinter uns – ein weiterer besonderer Abschnitt unserer Reise ist geschafft.

Die Straße von Messina ist einer der faszinierendsten Aspekte des Mythos. Sie ist nicht nur ein symbolischer Ort, sondern eine direkte Verbindung zu einem realen Ort, der seit der Antike als komplex und schwer zu befahren galt. Sie trennt Sizilien von Kalabrien und ist durch besondere Strömungen und Wasserbewegungen gekennzeichnet, die in der Vergangenheit eine echte Gefahr für Seeleute darstellten. In einer Zeit, als die Navigation viel unsicherer und stärker von den Seebedingungen abhängig war, konnte die Überquerung dieses Abschnitts riskant und unberechenbar sein.

Genau in diesem Kontext entstand die Verbindung zu Skylla und Charybdis. Die beiden mythologischen Gestalten wurden zu einer symbolischen Darstellung der realen Gefahren des Meeres. Scilla liegt auf der kalabrischen Seite, an den Felsen und Gefahren der Küste befestigt, während Charybdis mit der sizilianischen Seite in Verbindung gebracht wird, wo man sich die Existenz von Strudeln vorstellte, die Boote verschlucken konnte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Charybdis#Mythos

Griechenland – erster Versuch

Um 14:50 Uhr fassen wir den Entschluss: Heute geht es nach Griechenland. Wir setzen Kurs und das Großsegel und freuen uns auf die Überfahrt. Doch nur eine halbe Stunde später werfen wir noch einmal einen Blick auf die Windprognosen – und müssen unsere Pläne überdenken. Der Wind nimmt deutlich ab. Auch auf dem Wasser spüren wir sofort, dass die Vorhersage stimmt.

Also heißt es: Großsegel wieder bergen und den Kurs ändern. Statt nach Griechenland geht es zurück Richtung Kalabrien. Dort ziehen gerade die letzten Gewitter ab. Zunächst nehmen wir Kurs auf die Marina Rocella. Dort haben wir bereits im vergangenen Jahr vor der Marina geankert und später hervorragend gegessen. Allerdings liegen noch rund 35 Seemeilen vor uns – das würde eine Ankunft mitten in der Nacht bedeuten.

Also ändern wir unsere Pläne ein weiteres Mal. Auf Navily haben wir gelesen, dass sich Sidero hervorragend zum Ankern eignet. Direkt vor dem kleinen Beach Club Solero soll man gut liegen und noch besser essen können. Das klingt genau nach dem richtigen Plan für den Abend.

Kurz nach Sonnenuntergang fällt unser Anker auf sandigen Grund. Das Wasser ist kristallklar, der gesamte Ankerplatz besteht aus hellem Sand und strahlt in den letzten Sonnenstrahlen. Schon bei der Ansteuerung hören wir „Un`estate italiana“ vom Beach Club Solero, dass sie nur für uns spielen :-). Den Platz kann man gar nicht verfehlen.

Kaum liegen wir vor Anker, kommt Antonio, der Sohn der Familie Solero und hilft uns unser Beiboot an Land zu bringen. Wir werden herzlich empfangen und fühlen uns sofort willkommen. Teresa serviert uns fantastische Spaghetti Frutti di Mare, Papa Francesco schenkt seinen selbst produzierten Wein aus, und Antonio erzählt begeistert von seinem Studium. Es ist einer dieser Abende, an denen man merkt, dass Gastfreundschaft keine Floskel ist.

Neben uns ankert ein schwedisches Seglerpaar, das bereits seit vier Tagen hier liegt. Schnell kommen wir ins Gespräch, tauschen Geschichten aus und genießen gemeinsam die entspannte Atmosphäre. Die See bleibt ruhig, und wir schlafen hervorragend.

Am nächsten Morgen gehen wir noch kurz einkaufen. Neben den üblichen Vorräten wandern auch ein paar Flaschen Prosecco in den Einkaufswagen – schließlich wollen wir den nächsten Meilenstein gebührend feiern. Denn heute soll es nun wirklich nach Griechenland gehen.

Die Wetterprognosen sehen deutlich besser aus. Um 9:00 Uhr holen wir den Anker auf und verlassen Sidero. Unser Kurs führt zwischen Kefalonia und Zakynthos hindurch. Wohin uns der Wind am Ende genau trägt, wird sich zeigen – aber genau das macht das Segeln aus. Man plant, entscheidet neu und wird oft mit den schönsten Überraschungen belohnt.

Zweiter Anlauf – und wieder hält uns der Wind auf

Auch unser zweiter Versuch, nach Griechenland überzusetzen, endet anders als geplant. Gegen Mittag schläft der Wind immer mehr ein. Um 12 Uhr müssen wir einsehen, dass es so keinen Sinn hat. Wir ändern den Kurs und drehen wieder Richtung Kalabrien ab.

Zunächst setzen wir noch Großsegel und Genua. Doch schon wenig später kommt der Wind immer weiter von achtern. Also bergen wir die Segel erneut und setzen stattdessen den Parasailor. Das zahlt sich aus: Mit dem bunten Segel gleiten wir ruhig und entspannt bis zum Sonnenuntergang über das spiegelnde Meer.

Eigentlich wollten wir die Nacht vor Le Castella verbringen. Doch der kräftige Südwind steht direkt in die Bucht und macht das Ankern dort ungemütlich. Also beschließen wir, weiterzufahren und Crotone anzulaufen.

Als die Sonne gegen 20 Uhr im Meer versinkt, sind wir noch immer unterwegs. Erst um 23:30 Uhr, kurz vor Mitternacht, fällt in Crotone endlich der Anker. Nach einem langen Tag werden die Motoren ausgeschaltet – endlich Ruhe.

Die Freude währt allerdings nicht lange. Die Ankerregeln in Crotone sind streng: mindestens 500 Meter Abstand zur Hafeneinfahrt und 200 Meter zum Strand. Unser Liegeplatz erscheint uns doch etwas zu knapp. Also holen wir den Anker nach Mitternacht noch einmal auf und verlegen uns weiter hinaus. In sieben Metern Wassertiefe fällt der Anker erneut, diesmal mit 35 Metern Kette.

Am nächsten Vormittag erkunden wir die Stadt Crotone. Kaufen am Markt eingelegten Knoblauch, Zwiebeln und Eierschwammerl und lassen unsere Gasflaschen befüllen. Zurück an Bord wartet schon die nächste Überraschung: Beim Ankerschnorcheln stellen wir fest, dass wir genau über einem Fischernetz liegen, das quer durch die Bucht gespannt ist. Also heißt es wieder: Anker auf und einen neuen Platz suchen. Bereits zum dritten Mal.

Auch am Mittwoch bleibt uns das nicht erspart. Erneut entdecken wir, dass wir dem Fischernetz zu nahe gekommen sind. Also verlegen wir den Anker ein weiteres Mal. Gleichzeitig ziehen immer wieder Gewitter über die Küste, für die Region gilt eine gelbe Gewitterwarnung. Schließlich finden wir einen sicheren Platz: fünf Meter Wassertiefe, sauberer Sandgrund und diesmal 40 Meter Kette – jetzt sollte es halten.

Am Abend beobachten wir angespannt, wie die Gewitter sowohl an Steuerbord als auch an Backbord an uns vorbeiziehen. Über dem Meer spannt sich ein wunderschöner Regenbogen – ein beeindruckender Anblick nach den dunklen Wolken. Wir werfen den Grill an, genießen Hühnerspieße und verbringen eine herrlich ruhige Nacht.

Heute ist Donnerstag, der 6. August. Die Sonne brennt wieder vom Himmel, es ist drückend heiß und der Luftdruck liegt bei 1010 hPa. Unser tägliches Vormittagsritual – in die Stadt auf ein Granita mit Brioche – herrlich :-). Natürlich fällt auch immer wieder Arbeit an – Fenderleinen werden erneuert und unser Dingi erhält einen Aufkleber, damit man gleich weiß wem es gehört falls es einmal verloren geht.

Nun heißt es erneut warten und Wetter beobachten. Im Moment sieht alles danach aus, dass wir am Samstag unseren dritten Versuch wagen und endlich Kurs auf Griechenland nehmen können. Hoffentlich meint es der Wind diesmal gut mit uns.


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