Endlich Griechenland!

Heute ist es endlich so weit. Samstag, der 8. August. Der Wecker soll eigentlich erst um 6 Uhr klingeln, aber daran ist gar nicht zu denken. Es ist heiß, viele Gelsen sind an Bord und irgendwie hält es uns schon vorher nicht mehr in den Betten. Um 5.40 Uhr stehen wir auf, und nur fünf Minuten später heißt es bereits: Anker auf!

Crotone liegt hinter uns. Vor uns: Griechenland.

Unser Kurs zeigt 102 Grad, Richtung Kefalonia. Noch 180 Seemeilen bis zum Ziel.

Die ersten Stunden sind allerdings alles andere als vielversprechend. Um 8 Uhr setzen wir Großsegel und Genua. Doch der Wind ist viel zu schwach und die Welle viel zu hoch. Die Segel schlagen und schlagen. Es tut fast weh, dabei zuzusehen. Also müssen wir sie wieder bergen.

Und plötzlich sind sie wieder da, diese Gedanken: Kann das schon wieder passieren? Funktioniert es schon wieder nicht? Schaffen wir es tatsächlich nicht nach Griechenland? Wir beginnen schon, Alternativen zu überlegen. Wieder zurück? Oder weiter nach Norden, Richtung Leuca, und von dort einen neuen Versuch Richtung Korfu starten?

Doch dann – um 8.45 Uhr – passiert endlich das, worauf wir so lange gewartet haben. Der Wind kommt.

4 bis 5 Beaufort aus Nord. Halber Wind. Wir setzen die Segel und können tatsächlich die Motoren ausschalten.

Endlich!

Die nächsten Stunden segeln wir mal mit halbem, mal mit raumem Wind. Das Boot läuft gut und plötzlich fühlt sich die Überfahrt nicht mehr wie ein Kampf an, sondern genau wie das, wofür wir losgefahren sind.

Um 17 Uhr bekommen wir Besuch.Zwei Delfine tauchen auf und kreuzen unseren Kurs. Nur wenige Minuten lang begleiten sie uns, aber natürlich ist das sofort einer dieser Momente, die man nicht vergisst. Mitten auf dem Meer, weit weg von allem, zwei Delfine neben dem Boot – schöner kann eine Überfahrt kaum sein.

Eine Viertelstunde später sieht die Welt schon wieder anders aus. Um 17.15 Uhr müssen wir die Motoren starten und Großsegel und Genua bergen.

Für die Nacht bereiten wir das Groß gleich mit dem ersten Reff vor. Die Wettervorhersage verspricht ab 2 Uhr wieder mehr Wind. Die Genua bleibt noch draußen und unterstützt uns.

Um 19.45 Uhr versinkt die Sonne im Meer. Die Nacht beginnt.

Um 22 Uhr kommt der Wind immer noch nur mit 2 bis 3 Beaufort aus Nord. Die Genua ist weiterhin gesetzt, die Motoren laufen. Wir warten und hoffen. Kurz vor 23 Uhr ist es dann endlich wieder so weit: Der Wind hat auf 5 Beaufort aufgefrischt.

Motoren aus

Das Groß kommt mit dem ersten Reff hoch, die Genua setzen wir nur halb. Und plötzlich gleiten wir wieder durch die Nacht. Der Samstag geht in den Sonntag über.

Gegen halb eins geht der Mond auf. Eine schmale, orangefarbene Sichel steht am Himmel und begleitet uns durch die Nacht ebenso der fantastische Sternenhimmel mit der Milchstraße. Es ist einer dieser ganz stillen Momente, in denen man auf dem Meer merkt, wie klein man selbst eigentlich ist. Und dann kommt noch die Sache mit der Zeitumstellung: Um 1 Uhr werden die Uhren in Griechenland auf 2 Uhr vorgestellt. Eine Stunde einfach weg.

Der Wind bleibt unbeständig und wechselt immer wieder zwischen 4 und 5 Beaufort. Also passen wir die Genua ständig an – größer, kleiner, wieder größer. Immer so, wie es der Wind gerade verlangt.

Um 6.30 Uhr geht die Sonne auf. Gleichzeitig lässt der Wind nach. Im Sonnenaufgang setzt Markus die griechische Flagge. Wir starten die Motoren und müssen wenig später auch das Großsegel bergen. Die letzten Meilen nach Kefalonia legen wir mit Motorunterstützung zurück.

Und dann liegt es endlich vor uns: Kefalonia/ Griechenland. Bis zu unserer Ankunft in Agia Effimia dauert es noch acht Stunden. Zu Mittag stärken wir uns mit deftigen Ham and Eggs, ja so eine Überfahrt macht hungrig.

Agia Effimia/ Kefalonia

Wir haben es geschafft. In der Bucht ist bereits einiges los. Viele Boote liegen vor Anker und der Platz ist begrenzt. Wir finden schließlich unseren Platz und ankern in neun Metern Wassertiefe auf Schlamm und Sand. Wegen der vielen Boote können wir leider nur 35 Meter Kette geben. Nicht gerade unsere Lieblingssituation. Aber der Anker hält. Und vor allem: Es wird eine ruhige Nacht.

Nach all den Stunden auf See gehen wir endlich an Land und betreten griechischen Boden. Wir gehen gut essen, genießen das Gefühl, angekommen zu sein, und lassen die vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren.

180 Seemeilen liegen hinter uns. Von Kalabrien bis nach Kefalonia. Mit Flaute, hohen Wellen, Zweifeln, Motorstunden, Segelstunden, Windwechseln, einer orangefarbenen Mondsichel und zwei Delfinen, die für einen kurzen Augenblick unseren Kurs gekreuzt haben. Und am Ende bleibt nur ein Gedanke:

Wir sind endlich in Griechenland. Nach all den Versuchen, dem Warten und der Unsicherheit fühlt sich dieser Satz einfach unglaublich gut an. Griechenland – wir sind da!

Bojenchaos und Sushi – Kurs Zakynthos und weiter zum Peloponnes

Die Nacht in Agia Effimia ist herrlich ruhig. So ruhig, dass wir fast vergessen, dass wir eigentlich weiterwollen. Aber um 8.15 Uhr heißt es dann doch: Anker auf! Die große Frage lautet: Zakynthos oder Peloponnes?

Zunächst lassen wir uns treiben und setzen um 11.40 Uhr bei drei Beaufort den Parasailor. Die Motoren verstummen, und plötzlich ist da wieder dieses wunderbare Gefühl: Nur der Wind treibt uns voran. Wir entscheiden uns schließlich für Zakynthos und nehmen Kurs auf Agios Nikolaos/ Costas Place, das auf Navily ausgesprochen gut beschrieben ist. Der neue Rapala, der Champignon für`s Schleppfischen, wird auch zu Wasser gelassen – Petri heil!

Unterwegs bekommen wir wieder Besuch von unseren Lieblingsbegleitern: Delfine! Immer wieder kreuzen sie unseren Kurs und sorgen für Begeisterung an Bord, diesmal leider auch nur kurz. Der Wind allerdings macht sich langsam rar. Immer mehr kommt er halb, bis irgendwann klar ist: So kommen wir heute nicht mehr vernünftig weiter. Nach Mittag starten wir deshalb die Motoren, bergen den Parasailor und nähern uns schon bald der Bucht.

Bei Costas haben wir vorsorglich nach einem Bojenplatz gefragt. Kaum sind wir angekommen, schickt er eine junge Dame mit einem kleinen Boot, die uns einen Platz zuweist und uns fachgerecht an die Boje legt. Kaum liegen wir, gehen die Motoren aus. Geschafft!

Wir gehen an Land, gönnen uns bei Costas ein Tzatziki und ein eiskaltes Mythos. Die Boje ist kostenlos, wenn man dort isst – also eine durchaus sympathische Regelung. Für den Abend wollen wir uns dann noch ein richtig schönes Essen gönnen.

Doch dann nimmt der Nachmittag eine ziemlich unerfreuliche Wendung.

Neben uns legt sich ein Katamaran selbstständig an eine Boje. Irgendwie liegt er plötzlich verdächtig nah bei uns. Kurz darauf sehen wir einen Mitarbeiter von Costas, der sichtlich aufgeregt mit seinem Gummiboot auf uns zufährt. Was genau er vorhat, wissen wir zunächst nicht. Dann geht es los.

Er hantiert herum, fährt mit seinem Dinghy an unserem Boot entlang und versaut uns dabei das komplette Hull auf der Backbordseite. Wir sind einigermaßen fassungslos. Also steigen wir selbst in unser Dinghy und fahren hinaus.

Inzwischen hat der Mann den Katamaran hinter uns von seiner Boje gelöst und ihm stattdessen einen Anker gesetzt. Uns erklärt er nun, wir müssten ebenfalls von der Boje weg, weil die junge Dame uns falsch hingelegt habe. Wir glauben ihm das ehrlich gesagt nicht so recht.

Es folgen vier Manöver, und keines davon funktioniert so, wie es funktionieren soll. Unser Hull ist inzwischen endgültig verschmiert, der Mann wird immer unfreundlicher und wir immer wütender. Irgendwann reicht es uns. Wir verlassen diesen Platz, unser Dinghy und das SUP werden dann draußen versorgt.

So hatten wir uns unseren entspannten Nachmittag bei Costas definitiv nicht vorgestellt!

Da wir noch bei Tageslicht irgendwo ankommen möchten, fällt der Anker in der Mikpo Bay (Zakynthos) im Sand. Doch auch hier sind wir einer Ankerboje eines anderen Seglers zu nah. Also wieder: Anker auf! Wir nehmen Kurs auf die nächste Bucht – Alykanas Beach. Dort finden wir schließlich einen vernünftigen Platz am großen Sandstrand.

Einmal müssen wir noch umankern, weil wir zu nahe an der Einfahrt für die Partyboote liegen. Schließlich passt alles: vier Meter Wassertiefe, 20 Meter Kette und Sand unter dem Kiel.

Die Nacht ist allerdings etwas unruhig. Der Schwell ist ordentlich und lässt das Schiff immer wieder sanft, manchmal auch weniger sanft, schaukeln. Aber gut – wir haben schon deutlich schlechter geschlafen.

Am nächsten Vormittag steht erst einmal Hull reinigen auf dem Programm. Markus macht sich daran, die Hinterlassenschaften des äußerst eifrigen Mitarbeiters von Costas zu beseitigen. Danach sind wir wieder startklar.

Gegen Mittag motoren wir los. Unser Ziel ist der Zakynthos Yachting Club, wo wir bei Alex einen Platz reserviert haben. 45 Euro kostet der Liegeplatz. Wir legen längsseits an und können endlich wieder einmal ganz entspannt festmachen.

Dann heißt es Versorgung auffüllen: 150 Liter Diesel wandern in die Tanks – 330 Euro sind dafür fällig. Auch unsere Wassertanks wollen gefüllt werden. Das Hafenwasser lassen wir allerdings lieber bleiben, denn es schmeckt ziemlich salzig. Stattdessen kommt eigens ein Tankwagen mit frischem, kaltem Quellwasser. Für 30 Euro sind unsere Tanks wieder randvoll. Luxus auf einer Segelyacht!

Hätten wir einen funktionierenden Wassermacher wäre das nicht notwendig.

Am Abend folgt dann das kulinarische Highlight: Sushi in der MANOO Raw Bar. Es wird als eines der besten Sushi-Restaurants auf Zakynthos beschrieben – und wir können diese Einschätzung nach unserem Besuch absolut nachvollziehen. Die Sushi-Platte kostet stolze 95 Euro, dazu ein gutes Fläschchen Wein. Aber was soll man sagen: Es war wirklich wundervoll und supergut. Nach dem etwas chaotischen Vortag genau das richtige Gegenprogramm.

Mittwoch, 12. August 2026 – weiter geht die Reise

Heute ist es wieder heiß. Die Sonne scheint, der Luftdruck liegt bei 1010 hPa, und um 8 Uhr morgens verlassen wir Zakynthos.

Diesmal läuft es von Anfang an richtig gut. Nach gerade einmal eineinhalb Stunden können wir Großsegel und Genua setzen, die Motoren verstummen und wir segeln wieder unter Wind. Der Wind kommt aus Nordwest mit vier Beaufort – perfekte Bedingungen für unseren nächsten Abschnitt. Immer wieder dreht er und wir müssen die Segel anpassen oder tauschen.Unser Kurs geht diesmal Richtung Peloponnes. Ob wir am Ende in Katakolon oder Kyparissia landen, lassen wir offen. Wie so oft entscheidet letztlich der Wind.

Und genau deshalb lieben wir das Segeln: Man kann einen Plan haben. Aber am Ende schreibt der Wind die Geschichte.

„Ein Segler ist ein Künstler, dessen Medium der Wind ist.“

Webb Chiles


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