

Am Mittwoch, den 12. August, heißt es für uns um 8 Uhr morgens: Leinen los in Zakynthos! Die Italiener, die vor uns gelegen haben, halten tatsächlich ihr Versprechen und legen ebenfalls vor uns ab – genau so, wie es am Vorabend mit Alex vereinbart worden war.
Eineinhalb Stunden später können wir endlich Großsegel und Genua setzen und die Motoren ausschalten. Der Wind kommt aus Nordwest mit etwa vier Beaufort – herrlich! Leider dauert unser Segelvergnügen nicht allzu lange. Schon nach einer Stunde lässt der Wind deutlich nach und dreht immer mehr achterlich. Also bergen wir Großsegel und Genua und setzen stattdessen den Parasailor. Mit diesem bunten Leichtwindsegel lassen wir uns eine ganze Weile gemütlich vor dem Wind treiben. Es läuft wunderbar!
Eigentlich wäre Katakolon unser nächstes Ziel gewesen, doch wir entscheiden uns kurzerhand für Kyparissia. Warum auch nicht? Wir kommen gut voran und wollen Strecke machen. Schließlich möchten wir uns mit Stefanie und Matthias treffen und noch ein paar gemeinsame Tage verbringen, bevor es wieder langsam zurückgeht.
Am Nachmittag wird der Wind dann immer schwächer. Der Parasailor muss runter, die Motoren gehen an und die Genua darf noch ein bisschen als Unterstützung mithelfen. Am Abend erreichen wir Kyparissia und gehen längsseits an den Kai. Nach insgesamt 51 Seemeilen sind wir im Heimathafen von ca. 30 Schildkröten angekommen. Immer wieder sieht man ein Köpfchen aus dem Wasser auftauchen aber auch gleich wieder verschwinden.
Wir verlassen am Abend noch einmal unser Schiff und gehen griechisch essen. Ein wunderschöner Sommerabend! Dazu gibt es sogar eine partielle Sonnenfinsternis. Leider können wir sie nicht wirklich beobachten – uns fehlt die geeignete Brille und auch fotografisch bekommen wir sie nicht eingefangen. Aber auch so ist der Abend etwas Besonderes.


Weiter nach Methoni
Am nächsten Tag ist wieder herrlichstes Sommerwetter: heiß, sonnig und wolkenlos. Wir legen in Kyparissia ab und überlegen, ob unser nächstes Ziel Pylos oder Methoni werden soll.
Wir haben wieder guten Segelwind und können deshalb Pylos einfach querab liegen lassen. Die Bucht von Pylos ist riesig – erst hineinmotoren und später wieder herauszufahren, erscheint uns wenig sinnvoll. Außerdem sind wir in Methoni für die angekündigte Windsituation deutlich besser und sicherer aufgehoben.
Also geht es weiter nach Methoni.
Dort ankern wir auf Sand in 4,50 Meter Wassertiefe und geben 30 Meter Kette. Und was soll ich sagen: Es wird die beste Nacht, die wir in den inzwischen zwei Monaten an Bord erlebt haben! Endlich einmal richtig kühl. So kühl sogar, dass wir uns nachts tatsächlich zudecken müssen. Was für eine Wohltat nach den heißen Tagen!
Putztag an Bord
Der Freitag steht ganz im Zeichen des großen Reinemachens. Putztag!
Markus nimmt sich der Niroteile im Außenbereich an, während ich mich um das Innenleben des Schiffes kümmere. Alles wird gründlich sauber gemacht. Nach so vielen Wochen an Bord tut das richtig gut.


Am Abend fahren wir dann in die Stadt. Und dort gönnen wir uns zum ersten Mal ein Pita Gyros in einer Bar. Ein schöner Abschluss für unseren Putztag – und natürlich darf ein bisschen gemütliches Herumsitzen und Schauen, was an Land so passiert, auch nicht fehlen.
Endlich wieder mit Stefanie und Matthias
Am Samstag ziehen draußen schon die ersten Gewitter vorbei. Für heute haben wir uns mit Stefanie und Matthias in Finikountas verabredet. Auf der Fahrt dorthin kommen wir an einer Bucht namens Kolibri vorbei, die bei dem angekündigten Wind und Gewitter deutlich geschützter ist.
Wir telefonieren mit den beiden und ändern den Plan ein wenig. Wir ankern gleich und sie kommen zu Mittag nach.
Gesagt, getan. Wir ankern auf 3,50 Meter Sandgrund und geben 28 Meter Kette. Es scheint ein perfekter, geschützter Platz zu sein.
Und tatsächlich: Gegen Mittag kommen Stefanie und Matthias und ankern direkt hinter uns. Kurz darauf kommen die beiden zu uns an Bord. Was für eine Freude, sie endlich wiederzusehen!


Zur Begrüßung öffnen wir eine Flasche Prosecco, es ist ja schon Mittag vorbei 😉, sitzen zusammen, erzählen, lachen und genießen einfach den Moment. Nach all den Wochen auf See ist es wunderschön, die beiden plötzlich wieder ganz nah bei uns zu haben.
Und dann gibt es noch eine weitere nette Begegnung. Querab von uns liegt ein Schweizer Ehepaar, Angela und Reto, die bereits um die ganze Welt gesegelt sind. Sie haben sogar ein Buch darüber geschrieben: „Das Paradies ist nebenan“. Das müssen wir natürlich haben und bestellen es kurzerhand.
Es ist immer wieder faszinierend, welche Geschichten man unterwegs von anderen Seglern hört – und wie schnell man miteinander ins Gespräch kommt.
Am späten Nachmittag legen Angela und Reto ab. Für sie geht es weiter nach Koroni. Wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege irgendwann wieder.
Für uns aber steht fest: Stefanie und Matthias sind endlich da – und damit kann der vorletzte schöne Abschnitt unseres Törns beginnen.

Schwell in der Nacht, Segeln zum Vergnügen
Die Nacht in der Colibri war, sagen wir es einmal freundlich, nicht besonders rosig. Es hatte ordentlich Schwell, und so wurden wir die ganze Nacht mehr oder weniger sanft – manchmal auch weniger sanft – durchgeschaukelt. Aber gut, auf einem Katamaran lässt sich auch das irgendwie aushalten.
Kurz vor Mittag werden dann die Motoren gestartet und wir nehmen Kurs auf Koroni. Und kaum sind wir richtig unterwegs, geht es auch schon los: Nach einer guten Viertelstunde können wir Groß und Genua setzen und die Motoren wieder abstellen. Endlich Segeln!
Bei Westwind mit vier Beaufort läuft die Amorosa schön Richtung Kap. Dort machen wir eine Halse, die Segel gehen auf Steuerbord – alles wunderbar. Nur die Genua muss anschließend wieder weg, denn der Wind kommt jetzt praktisch genau von hinten und der Wind lässt nach. Also: Genua bergen und weiter geht’s.

Um 14 Uhr darf dann auch der Motor wieder mitspielen, das Großsegel wird geborgen und wir nehmen direkten Kurs auf Koroni.
Dort angekommen ankern wir auf vier Metern Wassertiefe in gutem Mud und geben 28 Meter Kette. Anker hält, Motoren aus – Feierabend!


Am Abend geht es auf Empfehlung von Stefanie ins „Carina“. Und was sollen wir sagen: Die Empfehlung war goldrichtig! Das Essen ist wirklich ausgezeichnet, der Weißwein ebenfalls, und zwei gute Fläschchen später sind wir dann auch entsprechend müde. Sehr zufrieden und bestens versorgt bringt uns Matthias mit „O sole mio“ an Bord.


Burg, Aussicht und noch einmal richtig gut essen
Am Montagmorgen steht ein Besuch der Burg von Koroni auf dem Programm. Wir kennen sie zwar schon aus den vergangenen Jahren, aber schön ist sie trotzdem jedes Mal wieder. Also wird gemütlich durch die Anlage spaziert, geschaut und die tolle Aussicht genossen.




Für den Abend haben wir vorsorglich bereits am Vortag einen Tisch bei „Sciue Sciue Trattoria“ reserviert. Ddr Ausdruck „Sciue Sciue“ hat seine Ursprünge im nepolitanischen Sprachraum und bedeutet, dass etwas schnell und leicht zu machen ist, aber dennoch gut gelingt. Es wird oft verwendet, um anzuzeigen, dass ein Gericht oder eine Praxis ohne viel Aufwand gut funktioniert.


Eine sehr gute Entscheidung, denn auch dort essen wir wieder ausgezeichnet. Offenbar entwickeln wir uns langsam aber sicher zu Spezialisten für gute Restaurants.
Nach einer relativ ruhigen Nacht – was nach der ersten Nacht durchaus erwähnenswert ist – geht es am Dienstag in aller Herrgotts Früh wieder weiter.
Dienstag – Oktopus-Einkauf mit Zwischenstopp in Finikounda


Für den Nachmittag ist wieder starker Wind angesagt. Deshalb entscheiden wir uns gegen Finikounda als Übernachtungsplatz, denn dort wären wir nicht besonders gut geschützt. Stattdessen soll es weiter nach Methoni gehen.
Ganz ohne Finikounda geht es aber natürlich nicht. Markus und ich machen einen Zwischenstopp, ankern auf fünf Metern über Sand und gehen einkaufen. Die wichtigste Mission: Oktopus besorgen! Der ist für den Abend und soll zu einem Oktopussalat mit Stangensellerie und Karotten verarbeitet werden. Stefanie übernimmt die Hauptspeise und plant dazu asiatische Nudeln. Das Abendessen ist also schon einmal gesichert.
Nach erfolgreichem Einkauf geht es um 11 Uhr weiter Richtung Methoni. Um 12:20 Uhr fällt dort der Anker auf sechs Metern Wassertiefe über Sand nicht weit entfernt von Shuenga. Wir geben 28 Meter Kette und liegen gut.
Zur Aperitifzeit geht es dann zu Stefanie und Matthias an Bord der Shuenga. Aus dem geplanten Apero wird natürlich nicht nur ein kleines Gläschen, sondern auch noch ein gemütlicher Snack zum Mittagessen. Es gibt Pinsa – und damit ist der kulinarische Teil des Tages ebenfalls hervorragend organisiert.
Aber das Beste kommt erst – am Abend wird das Essen im Dingi angeliefert – eine Art „Essen auf Rädern“ ;-).


Stefanie verwöhnt uns mit köstlichen asiatischen Nudeln, und von der Amorosa gibt es einen herrlich frischen Oktopussalat mit Stangensellerie und Karotten. Ein kulinarischer Abend, der im Sonnenuntergang seinen Abschluss findet.


Ein letzter gemeinsamer Abend in Methoni
Es ist Mittwoch der 19. August wir besuchen die Burg von Methoni, die am Abend so wunderschön beleuchtet ist. Ein weiterer Höhepunkt, bevor wir uns langsam auf den Heimweg machen müssen.


Matthias hat seine Laufrunde bereits absolviert und bleibt lieber noch etwas am Boot. Später wird er aber natürlich zu uns stoßen, um gemeinsam einen Freddo Cappuccino zu genießen. Für den Abend haben wir im To Castro einen Tisch reserviert – unser letztes gemeinsames Abendessen mit Stefanie und Matthias für längere Zeit.




Morgen früh heißt es dann Abschied nehmen und die Heimreise antreten. Und genau das macht diesen Abend so besonders – und gleichzeitig so traurig. Es ist der letzte gemeinsame Abend mit Stefanie und Matthias für eine ganze Weile. Wir wollen noch jede Minute genießen, zusammen lachen, gut essen und auf all die wunderbaren gemeinsamen Erlebnisse anstoßen.



Und ja, wir geben es zu: Wir weinen schon jetzt. 🥹❤️
An unserem letzten gemeinsamen Abend in diesem Sommer haben wir im To Kastro reserviert. Ein besonderer Ort, um diesen Sommer gemeinsam ausklingen zu lassen. Bei einem köstlichen Abendessen und einem atemberaubenden Sonnenuntergang genießen wir die letzten gemeinsamen Stunden in vollen Zügen.


Der Blick auf die untergehende Sonne ist einfach nicht zu überbieten. Die warmen Farben am Himmel, die besondere Atmosphäre und die schönen Gespräche machen diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Es war eine wunderbare Zeit mit euch beiden, voller schöner Momente, gemeinsamer Erlebnisse und Erinnerungen, die wir gerne mitnehmen.
Nun heißt es erst einmal Abschied nehmen – aber zum Glück nicht für lange. Wir freuen uns schon jetzt auf unser Wiedersehen zum Jahreswechsel auf La Palma.
Macht’s gut, bleibt gesund und passt auf euch auf. Wir sehen uns wieder!
„Freundschaft ist nicht daran zu erkennen, wie oft man sich sieht, sondern daran, dass man sich nach jeder Trennung wieder so nahe fühlt, als wäre man nie getrennt gewesen.“

